30. 09. 2008
Ich füge jetzt noch was ein in diesen Beitrag und schaue mal, ob ich ihn dann “verschieben ” kann.
Kaum hat der Kurs angefangen, haben wir schon wieder Ferien.
In der heutigen Präsenzveranstaltung haben wir uns mit den u.a. mit den Kompetenzen befasst, die von Auszubildenden nach dem Schweizerischen Berufsbildungsgesetz erwartet werden. Der Kompetenzwürfel machte eindrücklich klar, welch hohen Stellenwert Sozial- und Methodenkompetenzen haben.
In meiner Arbeit im Romerhus in St. Gallen habe ich mit Jugendlichen zu tun, die noch die Schule besuchen, eine Anschlusslösung oder eine Lehrstelle suchen oder bereits in einer Ausbildung sind und wegen des Klinikaufenthalts ihre Ausbildung unterbrechen müssen. Gleichzeitig bilde ich pro Halbjahr zwei Fachhochschülerinnen aus, die ihre theroetische Ausbildung als SozialpädagogInnen an der Fachhochschule Rorschach machen und den praktischen Teil der Ausbildung bei uns. DAbei werden die Ausbildungsziele mit der Fachhochschule gemeinsam festgelegt. Auch in den Richtlinien dazu finden wir das bekannte Trio: Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz, wobei die Fachhochschule nochmals unterscheidet zwischen Selbstkompetenzen und Sozialkompetenzen, was im sozialen Breich auch Sinn macht.
Die Bearbeitung von Konflikten in der Ausbildung ist Teil der Gespräche im Rahmen der Bezugspersonenarbeit und der Ausbildung. Als hilfreich hat es sich für meine Arbeit erwiesen, wenn ich mit den Coachees in einem ersten Schritt kläre, wie es in dem spezfischen Konfliktfall mit der jeweiligen Verantwortungsübernahme aussieht. Es ist in der Regel hilfreich bis vergnüglich, herauszufinden, wer in einem Konfliktfall wie mit diesem Teil der Interaktion umgeht und mit ihnen eine Sensibilität dafür zu entwickeln. Verantwortung abgeben zu können im Gespräch und klären zu können, wer denn nun welchen Teil der Verantwortung für eine Situation übernimmt, ist meiner Erfahrung nach eine Voraussetzung für gelingende Klärungen.
Die beiden Übungen dazu stelle ich mal hier in meinen Blog. Vielleicht schaut Ihr Euch in den Ferien die Blogs ja an, dann kennt Ihr beim nächsten Mal den Ablauf schon, wenn wir praktisch üben. Das “Verantwortungsball”-spiel habe ich oft angewendet und es funktioniert auch zur Analyse von bereits geführten Gesprächen, von denen mir Jugendliche berichten, z.B. mit Lehrern, Ausbildern oder Eltern.
Vorbereitung auf den Mini-Input am 06. 10.2008
Aufgabe: Aktivierender Input für 15 Leute.
Das „Verantwortungsball“-Spiel
Spiel für je zwei Spieler und einen Beobachter, in unserem Fall sind es 5 Dreier-Gruppen. Zeit 10 Min.
Thema: Soziale Kompetenz und Methodenkompetenz
Dreistufige Übung, bei der Konfliktfähigkeit und Problemlösefähigkeit erfahren und trainiert werden.
Dabei ist es mein Anliegen, den Jugendlichen die Erfahrung zu vermitteln, dass man Konflikte miteinander haben darf und die Beziehung dabei erhalten bleiben kann. Misslingende Ablösungen vom Elternhaus oder Konflikte von SchülerInnen und Lehrpersonen lassen sich schnell daraufhin analysieren, ob die Jugendlichen auf ihrem Weg in Beziehung zu Erwachsenen sind oder nicht. (Theoretischer Hintergrund: „Bezogene Individuation“ Helm Stierlin)
Konflikte entstehen z.B. dann, wenn Verantwortung in einem setting unklar verteilt wird. In Gesprächen mit Jugendlichen läuft die Kommunikation öfter mal so, dass sie uns etwas mitteilen mit einem versteckten oder auch klaren Aufforderungscharakter. Wir – die Erwachsenen – sollen etwas tun.
Wir sollen sie z.B. motivieren, sollen wir ihre Sicht teilen, Klagemauer spielen, ihnen Vorschläge machen, sie bedauern und in der Rolle des Opfers bestätigen oder wir sollen für sie handeln. Ihr Anliegen wird bei uns „geparkt“.
Das sind aber alles keine guten Lösungen, die ihnen längerfristig helfen.
Es können aber gute Teilschritte für eine Lösung sein, sofern es uns gelingt, ihnen die Verantwortung im Gespräch zurück zu geben, ohne die unterstützende Beziehung abzubrechen.
Mein Ziel in der Arbeit mit Jugendlichen ist es, ihnen zu verdeutlichen, was sie schon selbst können und sie selbst zu befähigen, ihre Konflikte zu managen und selbst zu entscheiden, ob sie handeln möchten oder eine andere Lösung vorziehen, hinter der sie stehen können.
Eine einfache Vorübung hat sich hier gut bewährt, die hilft, Konfliktsituationen danach zu analysieren, wer die Verantwortung im Gespräch gerade trägt.
Übung: Man nehme: einen Ball oder ein zerknülltes Papier, (das findet sich ja überall) Los geht’s:
Zum Üben ist ein Dreier-Setting praktisch, dann ist ein Mitspieler Beobachter, in der Umsetzung mit Jugendlichen sind wir dann zu zweit.
Die beiden BallspielerInnen werfen sich den Ball zu mit einem Satz, der dem Spielpartner die Verantwortung zuspielt.
1. Phase: Wenn das noch ungewohnt ist, macht es zunächst ein Spieler alleine und der andere gibt den Ball einfach wieder zurück. Ist klar, wie man Verantwortung „zuspielt“, kann der andere Spieler üben.
2. Phase: Wissen beide wie das geht (bei Jugendlichen ca. nach je 7 Versuchen), wird bei jedem Ballwechsel dem andern die Verantwortung „zugespielt“.
Ziel ist es, möglichst viele Varianten zu erfinden, wie man das machen kann, auch fiese!.
Der Beobachter prüft, ob die Verantwortung auch tatsächlich abgegeben worden ist (verdeckt oder offen) und gibt allenfalls Hilfen: Es funktioniert dann gut, wenn man in der (sorry, ist ja nun nichts Neues…)Ich-Form Sätze sagt wie z.B.: ich möchte, dass Du………, sobald ein „wir“ auftaucht, ist die Verantwortung nicht abgegeben, sondern geteilt.
Der Beobachter prüft auch, ob der wohlwollende Kontakt und das Interesse der Ballspieler aneinander erhalten bleibt oder ob Verantwortungsabgabe mit einer “Beziehungsabsage” verbunden wird. (Das ist alleine Dein Ding, da habe ich nichts mehr damit zu tun..)
3. Phase: Bei Interesse kann diese Phase nochmals separat geübt werden: mit und ohne “Beziehungsabsage”.
Auswertung:
Die SpielerInnen sammeln die Varianten, die sie gefunden haben und teilen sich mit, wie sie die verschiedenen Varianten erlebt haben, vergleichen mit selbst erlebten Situationen. Wo entstand Ärger, wo war es lustig, wo war es klärend?
Kennen die Jugendlichen sich schon aus mit dem Verantwortungsballspiel und gibt es schon ein stabileres Vertrauensverhältnis, kann man eine zweite Möglichkeit nutzen, um mit Jugendlichen an Konfliktsituationen zu arbeiten:
Arbeit mit dem “Inneren Team” ( Schulz von Thun)
Verbunden mit einer möglichen zweiten Runde “äusseres Team” und einem “Orientierungs-Feedback”
Anwendungsmöglichkeit: Jugendlicher sucht unsern Rat wegen einer Konfliktsituation in der Hierarchie seines Betriebes.
Hier geht es um Coaching und um inhaltliche Orientierung
Übung für zwei SpielerInnen und einen Beobachter. Zeit für eine Runde: 10 Minuten und 5 Minuten Auswertung.
Wir üben mit einem überschaubaren Hierarchie-Konflikt.
In Konfliktsituationen haben wir – und natürlich auch die Jugendlichen – in der Regel einen inneren Dialog, in der verschiedene Haltungen gegeneinander antreten: Z.B.:
„Da sollte man doch mal auf den Tisch hauen, in diesem Saftladen“ steht gegen: „Das muss man eben schlucken, in diesem Betrieb läuft das eben so, da kann man nichts machen“.
Der Coachee kann selbst eine Lösung finden, wenn es ihm gelingt, die wichtigen inneren Stimmen „ausreden“ zu lassen und besser kennen zu lernen. Er oder sie übt sozusagen „innerpsychische Demokratie“.
Auswertungsfragen: Durfte jedes innere Teammitglied ausreden? Gab es eine innerpsychische Hierarchie? Gab es eine demokratische Lösung? Wie ging es uns als Coach?
Der Coachee stellt die „Gesprächsrunde“, die er oder sie anschauen möchte, mit kleinen Gegenständen nach. ( Büroklammern, Verschlüsse, Radiergummies usw.)
Jede innere Stimme wird charakterisiert und mit einem Symbol gekennzeichnet: ( Die blauäugig-Naive erhält z.B. ein blaues Auge, der zornige Anteil eine Faust usw.)
Es ist sehr hilfreich, den Jugendlichen anzubieten, dass bestimmte „Gäste“ dieser Runde nicht auftauchen müssen, wenn es für den Jugendlichen zu heikel wäre, diesem Gast in diesem Setting eine Stimme zu geben. Geheimnisse dem Coach gegenüber sind also angekündigt erlaubt! (Der Coachee kann dann für sich selbst das Gespräch zu einem andern Zeitpunkt weiterführen. Vorsicht Familiengeheimnisse! Triage-Angebot zu weiterführenden Stellen kann aus dem Gespräch resultieren)
Auswertungsfragen: Durfte jedes innere Teammitglied ausreden? Gab es eine innerpsychische Hierarchie? Gab es eine demokratische Lösung? Wie ging es uns als Coach?
Wenn wir mit Jugendlichen arbeiten, teilen wir ihnen vorher unsere Rolle mit:
- Wir achten darauf, dass jedes der inneren Teammitglieder seinen Standpunkt mitteilen darf, achten darauf, dass wertschätzend geredet wird miteinander, dass Verantwortung an andere Anteile abgegeben wird unter Beibehaltung der wohlwollenden (dieses Mal innerpsychischen) Beziehung.
- Wir sagen auch, dass wir ihnen mitteilen werden, ob die erarbeitete Lösung aus unserer Sicht realistisch ist oder ob unserer Meinung nach ein wichtiger innerer Mitspieler fehlt, z.B. der Spieler, der dem Jugendlichen eine Berechtigung für sein Erleben zuspricht oder eine warnende Stimme, die das Risiko bewusst macht.
So erhält der Coachee eine selbst erarbeitete Handlungsgrundlage und eine Sicht von aussen, die Orientierung bietet.
Da Jugendliche in einer solchen Situation aber auch Informationen fehlen, wie denn andere Leute einen solchen Konflikt angehen und wie das sonst so laufen kann in einem Betrieb, kann danach eine zweite Runde folgen:
Um Verhaltensweisen von Mitarbeitern für den Jugendlichen bewusst zu machen, werden dann Mitarbeiter in die „Gesprächsrunde“ geholt und unterhalten sich über diesen Konflikt (wieder dargestellt mit kleinen symbolischen Gegenständen). Der Jugendliche kann herausfinden, ob hier Ressourcen liegen für eine gute Lösung in diesem Betrieb, die er nutzen kann oder kann in Betracht ziehen, eine Lösung ausserhalb des Betriebes zu suchen.
Mal sehen, ob wir Zeit genug haben, die Übungen durchzuführen.